Kleider machen Leute - Deutschunterricht mal anders

Anfangs betrachteten einige von uns das Projekt "Kleider machen Leute" mit eher kritischen Mienen. Als unser Deutschlehrer Herr Rapp uns erzählte, wir hätten die Möglichkeit uns der Biedermeier-Zeit gemäß einkleiden zu lassen, wussten einige von uns mit dem begriff "Biedermeier" nur wenig anzufangen. Das hieß, wir mussten vorerst recherchieren: Wie zog man sich an? Wie sahen die Leute aus? Wie war die Einstellung der Menschen damals?

Nach der Wahl der Hauptpersonen (Wenzel Strapinski, Melchior Böhni, dem Wirt, einem Honoratioren, Nettchen, ihrem Vater und ihren vier Freundinnen) nahmen sich die zehn Schüler einen Tag frei um mit Herrn Rapp das Nationaltheater zu besuchen. Dort wurden sie unter freundlicher Betreuung zeitgemäß eingekleidet. Auch die anderen kamen zum Einsatz, als es hieß, das gesamte Mahl, welches der falsche Graf in der Novelle "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller vorgesetzt bekommt, originalgetreu nachzukochen.

Auf der Checkliste standen: Forelle blau, Hammelkeule, Rinderbraten, Koteletts, Gemüse, Suppe, Torte, Gebäck, Brot, Rebhuhnpastete, Obst (Birnen, Kirschen, Aprikosen), Kaffee, Bordeaux, Champagner, Bocksbeutel und Tokaier. Und das alles, obwohl die Zeit bis zu unserem geplanten Auftritt immer knapper wurde. Doch glücklicherweise war am Freitag alles vollständig, als wir unser Klassenzimmer sehenswert herrichteten.

Wir deckten den Tisch für das Festmahl und luden die Klassen unserer Schule ein, um sich unser Projekt näher anzusehen und möglicherweise auch Fragen zu der Geschichte zu stellen. Die Meinungen und Reaktionen gegenüber dem Projekt waren zwar zwiespältig, aber insgesamt kam es eher positiv an, sodass auch der geplante Gig im Lehrerzimmer zum Erfolg wurde. Nachdem die vierstöckige, von Schülern selbstgebackene Torte mehrmals bei den Vorstellungsreden zu dem Projekt erwähnt worden war, wurde auch diese im Lehrerzimmer zum Verzehr angeboten. Ein weiterer Pluspunkt des Projekts: Aufbau der Klassengemeinschaft durch Zusammenhalt und gemeinsame Aktivitäten. Wir denken, dass es vielleicht eine Art Kompromiss war, dass dieses aufwendige, aber auch spaßige Projekt mit uns durchgeführt wurde: Deutschunterricht, aber ohne Grammatik.

Natalie Pozniak (Nettchen)

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