Die Theater–AG des Peter–Petersen–Gymnasiums zeigte
„Der Kater oder Wie man das Spiel spielt“
nach Tankred Dorst und Ludwig Tieck
Da wurde Tankred Dorst ganz schön gegen den Strich gebürstet: Dem Dichter würde es sicher auch gefallen haben, wie seine kritischen, ironischen und absurden Fäden in seinem Stück "Der Kater oder Wie man das Spiel spielt" in der Inszenierung der Theater-AG des Peter-Petersen-Gymnasiums weitergesponnen wurden. Vielleicht ein wenig verwirrend: Gehört das jetzt zum „Spiel“ oder ist da tatsächlich etwas schiefgelaufen?
Das fragten sich nicht nur die Zuschauer, die das nach seinem Erscheinen 1964 als nahezu unaufführbar geltende Lesedrama und daher wahrlich nicht so einfach auf die Bühne zu bringende Stück am Ende schließlich mit großem Beifall bedachten. Das diskutierten ein um das andere Mal auch die „gespielten“ Zuschauer ( Mareike Bundschuh als Kritiker, Philine Dienger, Lea Rolli, Agata Zisgornik, Manuela Schuster, Ina Brenner), die inmitten des Publikums saßen. Und während diese irritiert , aufgebracht oder hinterfragend reagierten, ergötzten sich die echten Zuschauer an den feinsinnigen Ideen der Inszenierung eines Theaterspiels im Theater. Da (re)-agierte beispielsweise der Fußballstar David Beckham, der kurzfristig für den erkrankten Hauptdarsteller als Gottlieb (Jan Klee) eingesprungen ist. Der kann in seiner selbst eingestandenen Borniertheit zwar nur seinen Text herunterleiern und nimmt versehentlich auch die Regieanweisung mit auf die Bühne und lässt sie sich von der Souffleuse (Angela Proysa) bestätigen.
Da liegt der Dichter (Mario Henn) mit der Dramaturgin (Laura Mayer) im Clinch, ebenso wie die schnippische Prinzessin (Britta Simon) mit ihrem verfressenen Vater und König (Jana Bundschuh), der Bühnenmeister (Elisa Mildenberger) macht - die Gewerkschaft lässt grüßen - Feierabend, der Hofgelehrte (Theresa Marx in einer Doppelrolle – sie spielte außerdem den Kater Hinze brilliant: er schnurrt und miaut und springt munter drauflos -) umwirbt die Köchin ( Carola Schreier), und der Hofnarr (Benjamin Herrmann) hopst quicklebendig über die Bühne. In den eingestreuten Episoden im Nachbarland waren die Wirtin ( Nadia Schurr) und der Bauer (Samira Staab) im „sinnigen Gespräch“ vertieft, der Popanz (Sayil Bayktasar- in einer weiteren Rolle auch als werbender Prinz zu sehen -) verwandelte sich unter Donnergeräuschen mal in einen Wolf, einen Gorilla oder eine Maus.
Ein ebenso einfaches wie effektvolles Bühnenbild und farbenfrohe Kostüme, im Nationaltheater zu sehr erfreulichen Bedingungen entliehen, rundeten den herrlichen, komödiantischen Spaß ab, den ein durchweg munteres und außerordentlich spielfreudiges Ensemble unter der Leitung der drei Lehrer Christine Schaefer, Erik Hauser und Joachim Schäfers über zwei Stunden auf die Bretter brachte. Sie alle verdienen uneingeschränktes Lob, denn alle wussten ganz genau, „Wie man das Spiel spielt“.
Joachim Schäfers
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