"Ein Licht über dem Kopf" -
Der bulgarische Autor Dimitré Dinev liest aus seinen Werken

Einen Autor hautnah zu erleben, diese Gelegenheit erhält man nicht jeden Tag. Doch genau diese Möglichkeit hatten die 12. Klassen am Donnerstag, den 19.1.06, in der Stadtbibliothek Schönau.
Völlig unerwartet war der Schulleitung im Rahmen der sogenannten "Höhenflüge -Tiefgründiges"-Lesungen der kulturpolitischen Gesellschaft Rhein-Neckar angeboten worden, kostenlos eine Lesung des Autors Dimitré Dinev zu veranstalten. Da Exilliteratur auch Thema des Abiturs 2007 sein wird, zeigte sich die Schulleitung darüber sehr erfreut und Herr Dr. Leichert bekräftigte nochmals in seiner Begrüßung der 12. Klassen, welch eine besondere Chance es sei und ermutigte die Schüler, Fragen im Anschluss an die Lesung zu stellen.
Dimitré Dinev war zu seiner Lesung jedoch nicht alleine gekommen. Ihn begleiteten die bulgarischen Zwillingsbrüder Alexander und Konstantin Wladigeroff, die die Lesung mit einem Mix aus Jazz und Balkanfolk an Klavier und Trompete musikalisch untermalten.
Zu Beginn las der in Wien wohnende Autor die Kurzgeschichte "Lass uns Radio hören!", die er für den österreichischen Rundfunk zu einer Jubiläumssendung geschrieben hatte. Diese Geschichte spiegelt die Bedeutung des Radios in der sozialistischen Zeit wider und zeigt auch gleichzeitig, in welch einer ironischen und humorvollen Art es Dinev versteht damalige Verhältnisse darzustellen und zu reflektieren. Dies wurde auch in der zweiten Geschichte "Ein Licht über dem Kopf" zum Thema Taxi deutlich, die gleichzeitig die Titelgeschichte seines zuletzt erschienenen Buches mit verschiedenen Kurzgeschichten ist.
Auch wenn Dinev während der anschließenden Fragerunde immer wieder betonte, dass seine Geschichten nur wenig Biographisches enthalten, so geben die Erzählungen über die Lebensperspektiven und Zukunftsaussichten in Bulgarien einen deutlichen Hinweis darauf, warum es Dimitré Dinev während seines Armeedienstes nach Wien gezogen hat. Auf die Frage, warum er denn nun in Deutsch schreiben würde und nicht in Bulgarisch, korrigierte er zuerst den falschen Eindruck, er hätte noch nie auf Bulgarisch geschrieben, erklärte dann aber, dass Deutsch für ihn die Sprache wäre, in der er "leben und lieben" würde.
Abschließend lässt sich noch anfügen, dass der Tenor der 12.-Klässler durchweg positiv war und sich auch die Fachlehrer von der lockeren und sehr direkten Schreibweise Dinevs angetan zeigten.

Eva Gottmann

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