Ausflug in die Römerzeit

 

Dass Ladenburg auf eine mehr als 2000jährige Geschichte zurückblickt, ist hinlänglich bekannt. Dass jedoch sich inmitten von Feldern nahe Großsachsen einmal eine römische Landvilla erhoben hat, wissen nur wenige. Zugegeben, die Villa Rustica, von der nur noch Grundmauern zu erkennen sind, ist schwer zu finden. Leicht wird dies jedoch unter sachkundiger Führung - etwa unter der von Herrn Lutz und seiner Frau, die sich beide seit Jahren intensiv mit römischer Kultur und Lebensweise beschäftigen und dabei profunde Sachkenntnisse  entwickelt haben.

Trotz wolkenverhangenem Himmel haben sich etwa 25 Eltern, Schüler, Ehemalige und Freunde des Peter-Petersen Gymnasiums in den frühen Morgenstunden zusammengefunden, um gemeinsam mit Familie Lutz auf Spurensuche zu gehen. Es lässt sich noch einiges auf den Feldern rund um die Villa finden, weiß Frau Lutz zu berichten. Tonscherben, Reste der dicken Dachziegel, selten mal eine Münze. Schade ist, dass früher die Interessen der Landwirtschaft höher geschätzt wurden als jene der Denkmalpflege. So befand sich in der Nähe der Villa früher ein Badehaus mit beeindruckenden Dimensionen, von dem nichts mehr übrig geblieben ist. Die Villa selbst lässt die imposanten Ausmaße noch deutlich erkennen. An der Frontseite 2 Ecktürme, dazwischen hinter einem Wasserbecken eine Säulengalerie, im Hintergrund verschiedenste Wohnräume, die sich 25 m lang erstrecken. Über die Bewohner der Villa ist nichts bekannt, es könnten ehemalige Legionäre gewesen sein, die nach dem Ausscheiden aus dem römischen Heer das römische Bürgerrecht und ein Stück Land erhalten haben. Aber auch Bewohner aus dem nahen Lopodunum (Ladenburg) mögen es gewesen sein, die hier auf dem Land die Felder haben bewirtschaften lassen. Selber getan haben sie nichts, erklärt Herr Lutz, dafür gab es Sklaven. Auf jeden Fall müssen sie wohlhabend gewesen sein, das lässt sich heute noch an der Größe der Villa erkennen.

Familie Lutz, gekleidet in römische Gewänder, lässt die Zeit damals lebendig werden. Bewohnt wurde die Region vorwiegend von romanisierten Germanen, die aus dem Norden hier angesiedelt wurden und sich binnen kürzester Zeit in die römische Lebensart eingefunden haben.  Aus ihren heimischen Schätzen hat Familie Lutz Münzen mitgebracht, um die Zeit anschaulicher zu machen, einen bronzenen Schlüssel, verschiedene  Götterfiguren, Geschirr und sogar der Kaiser Trajan, der Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus viel für die Region getan hat, ist mit einer Büste vertreten. In einem kleinen Tongefäß wird den Göttern geopfert und das Flehen wird erhört – der Regen bleibt aus.

Das spielt dann bei der zweiten Station des Ausflugs in die Römerwelt keine Rolle mehr - im Lobdengaumuseum in Ladenburg ist es trocken. In den Gewölben des Gebäudes, dort, wo sich an der Wand noch nachvollziehen lässt, wo in römischen Tagen die Gräben der Stadt verliefen, tritt uns in voller, prächtiger Rüstung Herr Lutz entgegen. Die Tunika ist von einem Kettenhemd bedeckt, auf dem Kopf thront ein schimmernder Helm, in der linken Hand hält er den mit Leder bezogenen Schild, rechts den Spieß. An der Hüfte trägt er ein langes Schwert. Mit dieser Ausrüstung unterscheidet er sich deutlich von den römischen Soldaten, die in der Vitrine zu sehen sind. Diese haben ein kürzeres Schwert, andere Lanzen, andere Helme. Die Krieger stammen aus einer anderen römischen Epoche, als noch der Kampf gegen Fußtruppen im Vordergrund stand. Die Uniform von Herrn Lutz dagegen mit dem langen Schwert und dem speziell geschützten Helm ist eher auf die Reiterei ausgerichtet, bei der einfach die Distanz zum Krieger auf dem Pferd höher ist. Wie schwer das Kettenhemd ist, wird jedem klar, der es mal in die Hand nimmt, das sind schon einige Kilo, die da zu schleppen sind. Zusammen mit dem Helm, der Getreidemühle und anderen Ausrüstungsgegenständen kommt da reichlich Gewicht für die armen Soldaten zusammen. Gut, dass immer eine Gruppe von 8 Soldaten gemeinsam über ein Maultier verfügen konnte, das zumindest die schwersten Ausrüstungsgegenstände tragen konnte.

Dennoch  wundert es nicht, dass da der eine oder andere römische Soldat Durst bekommen hat. Aber auch da räumt Herr Lutz mit einem weit verbreiteten Gerücht auf. Nicht Wein oder Traubensaft haben die römischen Soldaten getrunken – nein, Hauptgetränk zu dieser Zeit war – Essigwasser.

H.D. Nortmeyer

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