Stell dir vor, es ist Krieg
oder
Der Traum vom Frieden
Wer sich unter dem Thema „Stell dir vor, es ist Krieg oder Der Traum vom Frieden“ einen Abend mit erhobenem Zeigefinger vorstellte, der wurde von der Kleinkunstbühne enttäuscht. Unter der Leitung von Margarete Marx gelang es, dieses sensible Thema zwar teilweise sehr ernst, jedoch überwiegend satirisch und absurd darzustellen.
Nachdem ein Mann (Mario Henn) von zwei jungen Journalisten (Hanna Monhert und Jasmin Ngoyen) mit Schlagzeilen über die Kriege in der heutigen Zeit überhäuft wurde, ärgert er sich darüber, dass es heute keine richtigen Schlachten mehr gibt. In den darauf folgenden Gedichten von Erich Fried wurde zunächst von Natalie Pozniak und Arthur Kutzowitz darauf hingewiesen, dass den Menschen in Kriegsgebieten zu wenig Aufmerksamkeit dargestellt wird, während danach Agnes Kutzowitz, Caroline Fuchs und Kira Ziegler zeigten, dass machen Menschenzugehört wird, anderen jedoch nicht.
Auf ein von Stephanie Schrick vorgetragenes Gedicht von Kurt Tucholsky folgte das erste größere Theaterstück: Krieg im dritten Stock, geschrieben von dem Tschechoslowaken Pavel Kohout. Ein Rechtsanwalt (Mario Henn) und seine Frau (Jü-Shin Phung) werden mitten in der Nacht geweckt, weil ein Postbote (Caroline Fuchs) an die Schlafzimmertür klopft, um einen Gestellungsbefehl zuzustellen. Der kurz darauf eintreffende Arzt (Kira Ziegler) und auch der Polizist (Hanna Monhert) können die Situation nicht weiter aufklären; erst als die beiden Spionagechefs (Agnes Kutzowitz und Felix Schultze) dazukommen, wird klar, worum es geht: Ein Herr Müller (Arthur Kutzowitz) ist, begleitet von seinem General (Lars Horn) auf dem Weg in die Wohnung, um sie zu besetzen. Dass der Rechtsanwalt Krieg führen muss, obwohl er seit zwanzig Jahren nicht mehr beim Militär war, kann auch dessen General (Jan Klee) nicht mehr verhindern.
Nach der Pause folgte mit dem „Picknick im Felde“ (geschrieben von Fernando Arrabal) gleich das nächste große Stück. Ein junger Soldat (Jan Klee) bekommt an der Front Besuch von seinen Eltern (Lars Horn und Natalie Pozniak), um mit ihm ein Picknick zu veranstalten. Die gute Laune lassen sie sich auch nicht vermiesen, als sie Besuch von einem feindlichen Soldaten (Felix Schultze) bekommen. Die Frage, warum die beiden eigentlich Feinde sind, können leider weder die beiden selbst noch die Eltern beantworten.
Nach dem sehr ernsten Text „Die Tafeln“ von Kurt Tucholsky, vorgetragen von Jan Klee, folgte eine Anleitung für Kinder zum Krieg spielen. Das Gedicht von Erich Fried wurde von Kira Ziegler vorgetragen und pantomimisch von Karl Korbus, Igor Basukinskij, Hanna Monhert und Jasmin Ngoyen dargestellt.
Dass der Frieden heute kommerziell ausgenutzt wird, zeigten die Chefin der Friedens GmbH (Caroline Fuchs) sowie ihre Assistentin (Natalie Pozniak), die ihrem Kunden (Lars Horn) diverse Friedensartikel verkaufen wollen.
Nachdem ein junges Paar (Jan Klee und Agnes Kutzowitz) feststellten, dass sie ab sofort ihr Leben verändern wollen, wurde mit einem Ausschnitt aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams das Ende des Abends eingeläutet. Einer junge Frau (Caroline Fuchs) fällt endlich ein, wie man alle Probleme der Erde sofort lösen könnte; jedoch kommt sie leider nicht mehr dazu, es ihren Mitmenschen mitzuteilen.
Musikalisch reichte die Palette von eingespielten Liedern der Ärzte sowie der Bloodhound-Gang bis hin zu der gewohnt guten Livemusik, vorgetragen am Klavier von Jü-Shin Phung und Raphael Reichert sowie an der Querflöte von Caroline Fuchs.
Auch wenn die Aufführung unter der Leitung von Margarete Marx stattfand, konnte doch jeder der Schüler seine eigenen Ideen und Vorschläge einbringen, so dass große Teile des Abends aus den Ideen der Schüler, von denen die jüngsten gerade erst in die fünfte Klasse gekommen sind, während die Ältesten bereits das Abitur hinter sich haben, entstanden sind. Nicht zuletzt dieser Gruppenprozess führte zu einem durch und durch gelungenen Abend.
Mario Henn
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