Lesung mit Eleonora Hummel

Wann begegnet man als Schüler schon einmal einer echten Schriftstellerin? Das PPG hat es möglich gemacht. Dank der beiden Städte Mannheim und Ludwigshafen konnten alle Kurse des Jahrgangs 12 nicht nur eine Schriftstellerin, sondern sogar eine interkulturelle Schriftstellerin hören und kennen lernen.

Am 16. Februar kam Eleonora Hummel in unsere Bücherei. Sie kam aus Ludwigshafen, wo sie im Rahmen der interkulturellen Literaturreihe "Europa- Morgen - Land" las. Aber sie war schon länger unterwegs, aus Dresden, ihrer jetzigen Heimat kam sie, aber das war nicht die einzige Station ihres noch gar nicht so langen Lebens. Nach Dresden war sie als Kind mit ihren Eltern aus dem Nordkaukasus gekommen. aber auch dort wurde sie nicht geboren, sondern weiter im Süden der Sowjetunion, in Kasachstan. Dorthin waren ihre Großeltern von sowjetischen Soldaten gebracht worden, aus Ostdeutschland, wohin sie wiederum von deutschen Soldaten als Russlanddeutsche im Zweiten Weltkrieg von der Krim verschleppt haben. Aus dem Gebiet, in das ihre Vorfahren von Zarin Katharina der Großen eingeladen worden waren, um im neu gegründeten Städtchen Neuburg zu leben und zu arbeiten. Neuburg am Schwarzen Meer, nicht Neuburg in Bayern, woher sie stammten. Also eine sehr lange Reise hatte diese deutsche Familie hinter sich, bis sie wieder nach Deutschland zurückkehren konnte Aus den Erfahrungen ihrer Familie hat Elenora Hummel geschöpft, als sie ihren ersten Roman "Die Fische von Berlin" schrieb. Hier ist es das Mädchen Alina Schmidt aus Kasachstan, deren Eltern nach Deutschland ausreisen wollen und die von ihrem Großvater die Familiengeheimnisse zu erfahren sucht. Diese Passage, das Gespräch mit dem Großvater beim Angeln, las Frau Hummel und ließ die Jugendlichen teilhaben an seltsamen Geschichten aus dem fernen Kasachstan, an den Schwierigkeiten und Gefährdungen für die ausreisewilligen Eltern, die versteckten und verborgenen Erinnerungen an den Krieg- der Großvater hatte keine Orden, er sprach nicht von Heldentaten, nicht vom großen Vaterländischen Krieg, wie es andere Großväter taten. Eleonora Hummel berichtete auch über ihre Schreiben, über die autobiographische Anbindung ihres Romans, der aber keine Autobiographie ist, sondern eine eigene Welt zeigt, aufbauend auf Erinnerungen an die Kindheit, an den Großvater, der mit einem Messer unter dem Kopfkissen schlief, an das Fotos mit den Männern am Waldrand in Sibirien. Wie kommt der Großvater nach Sibirien. Schreibanlässe zeigt sie uns, die anregen, eine eigen Welt darzustellen, in einem Roman, der endet mit der Ausreise ins gelobte Land. Mit dem Leben in diesem gelobten Land beschäftigt sich die Autorin in ihrem zweiten Roman, der bald erscheinen soll.

Bei der anschließenden Diskussion scheuten sich die Schüler ein wenig, auf den Roman einzugehen. Lieber fragten sie nach den Möglichkeit, ein Manuskript in ein gedrucktes Buch zu verwandeln. Frau Hummel berichtet von den vielen zurückgesandten Exemplaren, bis es ihr endlich gelingt - dann durch persönlichen Kontakt über eine Schreibwerkstatt für junge Autoren - es, ihren Roman an den Mann oder besser gesagt an den Verlag zu bringen. Und eine besondere Pointe konnte sie erzählen: Kaum hat sie den Vertrag mit einem kleinen Verlag geschlossen, flattert die Zusage eines bekannteren Verlages auf ihren Tisch. Vielleicht würden mehr Exemplare verkauft werden, aber Elenora Hummel betont, dass sie die persönliche Betreuung eines kleineren Verlages sehr zu schätzen weiß, eines Verlages, in dem der Verleger noch jeden Autor persönlich kennt und betreut. Mit der Aufmunterung, doch auch selbst zu schreiben und an Schreibwerkstätten teilzunehmen, verlässt uns Frau Hummel, um sich für ihre Lesung am Wochenende in Ludwigshafen vorzubereiten. Dies war schon die zweite Lesung für die Zwölfer, diese Tradition wollen wir weiter fortführen und sind schon jetzt gespannt, welche Autoren wir in Zukunft noch kennen lernen.

Ursula Hein

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