Ohne recht zu wissen, was uns eigentlich erwartet, haben wir 13er uns am 17.11. in der 3. und 4. Stunde im Klausurraum zusammengefunden.
Vage Vorstellungen hatten wir: Es sollte uns ein Engländer einen Vortrag über Shakespeare halten.
Das Thema Shakespeare schon mehr oder weniger im Hinterkopf vergraben, waren wir nur verhalten begeistert, doch wir sollten uns gewaltig getäuscht haben!
Patrick Spottiswoode, „educational director“ am Globe Theatre in London, hatte eine Performance vorbereitet, die uns alle begeisterte!
Das war nicht der erwartete „Vortrag“, das war vielmehr eine Show mit Lernerfolg und vielen Lachtränen: Shakespeare und sein Theater werden viele von uns bestimmt nicht mehr so leicht vergessen!
Mr. Spottiswood erklärte uns, natürlich auf Englisch, den Unterschied zwischen Shakespeares Theater und unserem Theater heute, welcher auch sehr groß ist.
Heute ein Zeichen von Wohlstand und kulturellem Interesse, waren die Theaterbesucher von damals politische Unruhestifter und vom Rest der Gesellschaft verpönt.
Die Schauspieler aus Shakespeares Zeiten waren angesehen wie Prostituierte, während sie heute gefeiert werden.
Da Theater eben auch politischen Einfluss auf die Zuschauer haben konnte, wurden alle Texte von der Obrigkeit durchgesehen und unter Umständen erst nach einigen Verbesserungen geduldet.
Anschaulich gesagt: heute fragen sich die Schüler beim Theaterbesuch mit der Klasse: „How can I get out of the theatre without my teacher seeing me?“, während die Schüler in Shakespeares Zeiten andere Probleme hatten: „How can I get in the theatre without my teacher seeing me?“
Auch die Nachteile unseres „Frontaltheaters“ erklärte Patrick uns: Jeder Zuschauer sieht nur die Bühne, aber keinen anderen Zuschauer (zumal es auch noch dunkel ist!), wobei damals runde Theater üblich waren, in denen jeder Zuschauer auch alle anderen sehen konnte, und so der Dialog Schauspieler–Zuschauer viel besser funktionierte.
Vor allem die „Frauenfrage“ in Shakespeares Zeiten erzeugte unendliche Lachanfälle, wurde dieses Problem nämlich interaktiv mit einigen „Freiwilligen“ dargestellt.
Es durften nämlich keine Frauen auf der Bühne auftreten, also mussten Männer diesen Part übernehmen!
Weiter gings mit der Erklärung wie die englische Sprache zustandegekommen ist, nämlich durch die Mischung vieler europäischer Sprachen, und wie das Wort „patata“ auf Umwegen und durch viele, auch kulturell bedingte, Änderungen zur deutschen „Kartoffel“ wurde.
Patrick Spottiswoode schaffte es mit unglaublich viel Witz und Ironie, uns das Thema Shakespeare nahezubringen, bescherte uns und den anwesenden Lehrern eine gelungene Abwechslung vom Schulalltag und zauberte vielen für den Rest des Tages ein Lächeln ins Gesicht.
Katrin Kreuzer
Die meisten erhofften sich 2 Schulstunden Schlaf oder befürchteten, noch in den letzten Stunden vor dem Wochenende zu Tode gelangweilt zu werden, als es am Freitag, den 17.11., im Klausurraum Bühne frei für Patrick Spottiswoode' hieß, den ‚Abgeordneten' vom Globe Education Centre des Globe Theatre in London.
Dieser sollte uns, d.h. der gesamten 13. Klasse und einigen Englischlehrern, nämlich in einem internationalen Workshop das Besondere an Shakespeares Werken näherbringen.
Klingt nicht wirklich fesselnd, … das dachten wir auch.
Zu unserer aller Überraschung gestalteten sich die folgenden zwei Stunden allerdings als die unterhaltsamsten Englischstunden der letzten Jahre.
Wie keinem anderen vorher gelang es Patrick Spottiswoode, die Aufmerksamkeit von knapp 50 Leuten über einen Zeitraum von zwei Schulstunden dermaßen zu fesseln, dass die meisten kaum mitbekamen, wie die Zeit verging.
An treffenden Beispielen wurde die englische Gesellschaft charakterisiert (und dabei nicht gerade wenig durch den Kakao gezogen) und, wie verwirrend es war, als männlicher Schauspieler die Rolle einer Frau zu spielen, die sich im Stück wiederum als Mann ausgibt.
Außerdem kann jetzt jeder der Anwesenden erklären, wie die Sprache in die Welt kam und warum Englisch ein Mischmasch aus so vielen verschiedenen Sprachen ist und natürlich wie aus dem südamerikanischen Wort ‚patatas' das deutsche ‚Kartoffel' geworden ist.
Und, ob man's glaubt oder nicht, das alles hat irgendwie etwas mit den Stücken Shakespeares zu tun … ja, auch wir waren überrascht.
Miriam Kemmer